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    Aus dem versteckten Jagsttal an die Weltspitze

    Wanderausstellung in Mulfingen - Bürgern Mut machen und Selbstbewusstein stärken

    Nr. 37/2002 (10. Dezember 2002) Aus dem versteckten Jagsttal an die Weltspitze Bürgern Mut machen und Selbstbewusstsein stärken Die Region Heilbronn-Franken ist einer der führenden Standorte für die Mobilitätsbranche sowie der Produktionstechnik in Europa. Er repräsentiert dabei das sehr erfolgreiche Land Baden-Württemberg. Automobile, LKW´s, Busse, Maschinen und Anlagen und eine Vielzahl von Zulieferern in diesen Bereichen kommen aus dieser erfolgreichen Region, in der zielstrebige, schaffige und erfolgsorientierte Menschen zu Hause sind. In Mulfingen im Jagsttal haben sich in den letzten Jahren erfolgreiche "Hidden Champions" entwickelt. Die Wanderausstellung "Heilbronn-Franken - 4.700 Quadratkilometer Zukunft" macht ab 16. Dezember Station im Rathaus Mulfingen. "Baden-Württemberg ist das Zentrum der deutschen Fahrzeug-industrie", betont Steffen Schoch, Geschäftsführer der Wirtschafts-region Heilbronn-Franken GmbH (WHF) und führt fort, dass nirgendwo in der Welt die Industriedichte im Bereich der Mobilitätsbranche höher sei, als in den Regionen Heilbronn-Franken, Stuttgart und Unterer Neckar. Mehr als ein Viertel der in Deutschland erzielten Umsätze der Branche werden hier erwirtschaftet. Die Fahrzeug- und Motorenhersteller und deren Zulieferer erzielten im Jahr 2000 einen Umsatz von rund 7 Mrd. Euro, wobei die Exportquote bei gut 50 Prozent lag. Sogenannte "Hidden Champions" in der Lüftungstechnik (ebm, Gebhardt, Rosenberg, Ziehl-Abegg) und in der Montage- und Befestigungstechnik (Würth, Berner, BTI) haben sich in der Innovationsregion Kocher und Jagst, im Herzen der Region Heilbronn-Franken angesiedelt. "Wir waren überhaupt nicht bekannt und haben uns so in die Märkte hinein geschlichen. Bis es der Wettbewerb richtig gemerkt hat, waren wir einfach nicht mehr zu verdrängen", so Gerhard Sturm, Gründer der weltweit erfolgreichen ebm-Werke in Mulfingen, dessen unaufhaltsamer Weg zur Weltspitze vor 40 Jahren begann. Ihre Topprodukte: Motoren und Ventilatoren. Für Auto bis Laptop. Versteckt im malerischen Jagsttal hat sich so gemeinsam mit weiteren Unternehmen der Branche ein weltweit führendes Cluster entwickelt, das sogar im aktuell veröffentlichten Technologieatlas der Prognos AG seine Würdigung findet. Erreicht mit Gewerbefleiß und einem guten Schuss Schlitzohrigkeit. Wer Gerhard Sturm und seine ebm-Werke kennt, der weiß, dass sich der Unternehmer auch seiner sozialen Verantwortung sehr bewusst ist. Es sind nicht nur die zahlreichen Sport- und Kulturveranstaltungen die von den ebm-Werken unterstützt werden. Auch oder gerade die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter, die Förderung der Künzelsauer Außenstelle der FH Heilbronn sowie weiterer Bildungseinrichtungen im Raum und die Bündelung der regionalen Interessen in der Innovationsregion Kocher und Jagst haben die ebm-Werke in ihrer Firmen-Philosophie fest verankert. Und gerade das macht auch den Erfolg der Unternehmen und der Region Heilbronn-Franken aus: Viele unternehmergeführte Unternehmen, die tief mit der Region und ihrem Umfeld verwurzelt sind. Die Wanderausstellung, welche vom 16. Dezember 2002 bis zum 9. Januar 2003 im Rathaus der Gemeinde Mulfingen präsentiert wird, war bislang an über 40 Orten bundesweit unterwegs. Sie wird am Montag, 16. Dezember um 18.30 Uhr von Bürgermeister Hermann Limbacher und dem ebm-Chef Gerhard Sturm eröffnet. Steffen Schoch, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF), zeigt mit der Ausstellung die Entwicklung der Region in den letzten Jahren auf und wagt auch einen Ausblick in die Zukunft. Dabei werden "harte" und "weiche" Standortfaktoren zusammen dargestellt, denn die kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Qualitäten der Region sollen nicht nur Gäste sondern auch die Bürger der Region für die Region motivieren. Im Anhang finden Sie ein Interview, geführt mit Gerhard Sturm und Thomas Philippiak, das im Rahmen der Erstellung eines Imagefilmes der Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken e.V. für die Region Heilbronn-Franken vor wenigen Wochen geführt wurde. Weitere Informationen im Internet unter www.heilbronn-franken.com oder bei der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH Telefon 07131-7669 860. Interview geführt mit Gerhard Sturm und Thomas Philippiak, Geschäftsführende Gesellschafter der ebm Werke GmbH & Co. KG, Mulfingen 1963 wurde ebm von Gerhard Sturm und Heinz Ziehl gegründet. Von Mulfingen aus entwickelte sich das Unternehmen mit innovativen, leistungsstarken und wettbewerbsfähigen Außenläufermotoren und Ventilatoren zum Weltmarktführer. Heute setzen sich über 8000 Mitarbeiter weltweit für die Interessen ihrer Kunden ein. Um diese sprichwörtliche Kundennähe zu garantieren arbeitet die ebm anwendungsspezifisch. Was können nur Sie in dieser Branche? Sturm: Wir Entwickeln, Produzieren und Vermarkten Außenläufer-motoren für lufttechnische Antriebe vom Standort Mulfingen aus. Wer ist ihr klassischer Kunde? Sturm: Klassische Kunden sind vor allem die IT- und Telekommuni-kations-Branche im High-Tech-Bereich, die elektronisch kommunitierte Motoren und Lüfter und Gebläse benötigen. Das sind sehr intelligente Produkte. Wir liefern jedoch auch Dunstabzugs-hauben, Backofen- und Kühlschranklüfter für die Konsumgeräte-industrie und Hausgerätetechnik. Dazwischen gibt es den Maschinenbau mit der Kälteklimatechnik und der Kühlung für Schaltschränke beispielsweise. Wir haben ein sehr breites und tiefes Programm. Handwerk verbunden mit High-Tech. Wie holen Sie sich Ihre Innovationen? Sturm: Wir haben Beziehungen zu Hochschulen und zu Universitäten mit denen wir gemeinsame Projekte realisieren. Im Wesentlichen bedienen wir uns aber der örtlichen Fachhochschule in Heilbronn und Künzelsau, die wir auch stark unterstützen, um den Nachwuchs an Ingenieuren heran zu ziehen. Wo liegt das Geheimnis Ihres Erfolges? Sturm: Als ich 1963 auf der grünen Wiese anfing, war der Erfolg noch nicht in die Wiege gelegt. Solche Ziele, wie Weltmarktführer zu werden, hatten wir uns natürlich nicht vorgenommen. Aber das Geheimnis unseres Erfolges liegt zum einen vielleicht in der beharrlichen und konsequenten Weiterentwicklung des Außenläufermotors, der heute im Weltmarkt der lufttechnischen Antriebsmotoren den Standard darstellt. Das ist uns gelungen mit Beharrlichkeit, Ausdauer und harter Arbeit. Und gerade dafür haben wir hier in der Region beste Rahmenbedingungen vorgefunden. Wir haben eine unheimlich - so würde ich mal ausdrücken - fleißige Bevölkerung. Landwirtschaftlich geprägt. Immer gewohnt, hart zu arbeiten. Diese Eigenschaften haben wir "eins zu eins" übernommen und für die Entwicklung unserer industriellen Produkte herangezogen. Das war vielleicht dieser Gewerbefleiß als ein Teil des Erfolges. Ein anderer Teil des Erfolges war, dass wir hier völlig abgeschieden - ich sage immer: hinter den 7 Bergen im Jagsttal - entwickeln konnten. Unbesehen vom Wettbewerb. Wir waren überhaupt nicht bekannt und haben uns so in die Märkte hineingeschlichen. Bis es der Wettbewerb richtig gemerkt hat, waren wir einfach nicht mehr zu verdrängen. Das war auch ein Teil unserer Strategie. Ich habe das ja jahrelang ganz allein gemacht und weiß noch ganz genau, wie wir uns immer klein gehalten, klein gemacht haben, nichts veröffentlicht haben. Im Gegensatz zu heute. Heute können wir uns nicht mehr so ganz verstecken. Wir waren ja mal so ein Hidden-Champion. Und daraus ist jetzt ein "gejagtes Edelwild" geworden. Wir werden jetzt von allen, von Japanern, Chinesen, Amerikanern, Europäern gejagt. Sie leben gern in dieser Region? Sturm: Ja, ich bin in dieser Region geboren und man sagt ja, dass man das gar nicht mehr so wahrnimmt. Aber ich lebe sehr bewusst und gern hier. Ich möchte nicht tauschen - mit nirgendwo. Vor allem, wenn man so viel unterwegs ist wie wir in den vergangenen Jahren, kehrt man immer wieder gern hierher zurück. Was essen Sie, was trinken Sie gerne? Sturm: Ich trinke vor allem gerne die regionalen Weine. Vor allem die neueren Sorten Rotwein mit einem französischen Einschlag. Ob das ein trockener Lemberger ist oder der neue Acolon, der im Taubertal wachsende Tauberschwarz oder ein Dornfelder. Also, das sind schon Weine, die schon nahe an die Qualität und den Geschmack der Franzosen heran kommen. Und essen? Sturm: Diesbezüglich bin ich nicht der ganz typische Schwabe. Ich esse auch gerne mal italienische Küche. Weil sie leichter ist. Aber natürlich gehören die Maultaschen zu unserem Repertoire wie auch der Rostbraten und all diese deftigen, einheimischen Gerichte. Aber nicht nur. Sie wissen, dass ist nicht immer verträglich und nicht immer gut. Man muss ja auf sich achten. Wie halten Sie sich fit? Sturm: Indem ich etwas Ausgleichssport treibe. Ich habe lange aktiv Tennis und Fußball gespielt und ich bin viel zu Hause bei der Familie." Was ist ihr Lebensmotto? Sturm: Also ich muss schon sagen, dass neben der Familie - die fast immer zu kurz kam - das Unternehmen, das ich selber mitgegründet und mitaufgebaut habe, mein Lebenswerk und mein Lebensmittelpunkt darstellt. Noch! Natürlich suche ich auch den Ausgleich, im Lesen und ich fühle mich der Archäologie sehr verbunden. was meine Zeit noch zu lässt." Wie steht´s mit dem Nachwuchs hier? Sturm: Da sind wir seit Jahren dabei. Sie wissen, wie schwierig es ist in einem Unternehmen, was so schnell gewachsen ist, auch die notwendigen Strukturen nachzuziehen. Aber wir haben es im Prinzip geschafft. Wir sind dabei auch mich durch neue junge Kräfte, die vielleicht ganz andere Ideen haben, zu ersetzen. Das Alte, was gut war, mit dem Neuen zu verbinden. Und da haben wir einige Ansätze. Es gibt schon einen GF-Nachfolger in der Produktion - das habe ich erst vor wenigen Wochen abgegeben. Wir arbeiten gerade daran, den technischen Vordenker sozusagen hier aufzubauen. Denn, das ist eine der wichtigsten Punkte, dass auch die visionäre Seite des Produktes erkannt wird. Lange Zeit vorausdenken, vordenken, vorplanen. Das war eigentlich immer meine Hauptaufgabe und die muss rüberkommen. Jetzt wage ich eine Prognose: der Nachwuchs stammt auch aus der Region? Sturm: Ja, wobei er schon seine ersten Sporen im Ausland verdient hat. Also alle, die da sind, haben nach dem Studium schon irgendwo in großen Unternehmen oder außerhalb von Deutschland ihre ersten Sporen verdient und kommen jetzt wieder zurück. Das macht uns umso stärker hier. Weil die ja auch hier verwurzelt sind. Wie haben Sie es fertig gebracht handwerkliche Fähigkeiten mit der High-Tech zu verbinden? Philippiak: Das ist einer unserer Kernprozesse den Sie da erwähnt haben. Das eigentliche Kunststück liegt eigentlich darin, dass wir die 3 Elemente einer fortschrittlichen, modernen Produktion - auch eines modernen Produktes - miteinander verbinden können. Und zwar ist das auf der einen Seite die Regelungstechnik oder moderne Leistungselektronik, so kann man es auch nennen. Auf der anderen Seite ist es der Motor, der Elektromotor als elektromechanisches Element. Zuletzt dann noch die Strömungstechnik, die wir als doch Weltmarktführer in Lufttechnischen Entwicklungen ebenfalls bieten. Diese Kernkompetenzen machen unseren Erfolg aus. Wo liegt die Herausforderung in Ihrer Branche? Philippiak: Die Herausforderung liegt darin, den Wettbewerb in Schach zu halten. Sie können sich vorstellen, dass unsere Produkte in ihren Detail sehr leicht nachzuahmen sind. Die Asiaten sind da Weltmeister auf diesem Gebiet. Wir müssen halt immer einen Schritt weiter sein, was neue Technologien anbetrifft. So haben wir im Laufe der letzten Jahre aus einem normalen Wechselstromventilator ein High-Tech Gebilde entwickelt: den elektronisch-kommutierten Gleichstrommotor. Wo kommt die Innovationskraft her? Philippiak: Wir haben hier hinter dem Verwaltungsgebäude einen riesigen Komplex, in dem über 200 Ingenieure arbeiten. Sie tun den ganzen Tag nichts anderes, als neue Plattformen und Applikationen auf bestehende Produkte zu entwickeln. Selbst an den Geräten unserer Kunden leisten wir Entwicklungsarbeit. Das ist auch einer unserer Vorzüge, die wir gegenüber unserer Wettbewerber bieten, dass wir uns auch sehr tief in die technische Gedankenwelt unserer Kunden hinein begeben müssen. Das Treiben, ist das die Philosophie ihres Hauses? Philippiak: Ja, ja dass ist überlebensnotwendig. Wir müssen treiben. Wir müssen immer eine Nasenspitze voraus sein um den Wettbewerb in Schach halten zu können. Wir haben keine Möglichkeit, keine Chance uns auf dem auszuruhen, was jetzt Stand der Technik ist. Wir müssen schon jetzt daran denken, was wird der Kunde in 2-3 Jahren verlangen wird. Was bedeutet Heimat für Sie? Philippiak: Heimat bedeutet genau das, was ich hier vorfinde. Heimat bedeutet für mich der Erwerbsmittelpunkt für meine Familie. Heimat bedeutet Freunde. Heimat bedeutet natürlich auch ein bisschen die Gegend zu erkunden und mit der Gegend vertraut zu sein. Und ich liebe das Hohenloher Land mehr als sehr viele andere Landstriche die ich weltweit kenne. Wahrscheinlich nicht deshalb weil es so abenteuerlich schön ist, aber weil ich es sehr gut kenne, es hat viele versteckte Schönheiten, die man sich erobern muss. Erwandern und Erlaufen muss, mit dem Fahrrad, beim Joggen oder sonst wie. Was essen und trinken Sie? Philippiak: Der Wein hier ist gut. Und überall wo es Wein gibt, wird auch gut gekocht. Also insofern ist die Küche recht gut hier. Und so einen richtigen Zwiebelrostbraten den esse auch ich als "Reingeschmeckter" schon recht gerne. Und ich glaube auch, dass das so die Krone der hiesigen Küche ist für all diejenigen, die hier groß geworden sind. Ihr Lebensmotto? Philippiak: Mein Lebensmotto heißt fair zu sein. Möglichst fair mit allen Leuten umzugehen, das heißt mit Mitarbeitern, mit Kollegen und auch in der Familie fair zu sein. Jedem eine Chance zu bieten. Vor allen Dingen der Jugend eine Chance zu bieten. Die Interviews führte Dr. Bernhard Büchel, freier TV-Journalist Berlin
     
     
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