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Futuristisch anmutendes Testlabor für Wein

     
 
 

9.3.10

 

Die innovationsfreudige Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg gilt als älteste Anstalt ihrer Art und genießt in der Welt des Weines einen herausragenden Ruf.

Sie wurde 1868 aus der Taufe gehoben, gilt als älteste Anstalt ihrer Art und genießt in der Welt des Weines einen herausragenden Ruf. Nur in einem schien die innovationsfreudige Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg nicht ganz auf Höhe der Zeit zu sein: Bei Proben mussten zum Ausschütten und Ausspucken mitunter banale Eimer mit Holzspänen herhalten. Selbst Direktor Günter Bäder räumt ein: "Wenn man sich zur Seite gebeugt hat, stieg ein beißender Geruch in die Nase."

Wie im OP-Raum

Nun hat sich die Anstalt in diesem Punkt auf einen Schlag vom 19. ins 21. Jahrhundert katapultiert. Und zwar mit einem Sensorikstudio, nach Anlagen von Chefoenologe Dieter Blankenhorn das "größte und modernste seiner Art". Der 170 Quadratmeter große Raum wurde im Keller des Hauptbaus eingerichtet. Wer ihn betritt, wähnt sich in einem klinisch reinen Labor oder OP-Saal. Die Architektur lag in Händen des Heilbronner Büros Matthias Müller und wurde in Kooperation mit dem von Michael Greiner geleiteten Staatlichen Hochbauamt Heilbronn und mit den Weinsberger Oenologen konzipiert, Kostenpunkt: 355 000 Euro.

Das mit 1000 Lux besonders hell ausgeleuchtet Studio ist ganz in weiß gehalten, die leicht geschwungenen Wände deuten Wellen an. Im Mittepunkt steht eine zehn Meter lange Tafel, die von 28 Degustationsboxen umgeben ist. Jede dieser Nischen ist mit Spülbecken und Computer ausgestattet. Die Plätze können mit Rot- oder Grünlicht ausgeleuchtet werden. "Dadurch lässt sich der Tester nicht verleiten, von der Farbintensität Rückschlüsse auf die Weinqualität zu machen", erklärt Oliver Schmidt. Denn Neutralität ist für aussagekräftige Weinbeurteilungen das A und O. Erst zur Besprechung ihrer Ergebnisse können sich die Prüfer dem Tisch zuwenden, die Stühle sind praktischerweise mit Rollen ausgestattet.

Genutzt wird das Studio in erster Linie für den Schulunterricht und für Versuchsreihen, aber auch für externe Branchenfachleute und Weinwettbewerbe. So gastiert dieser Tage beispielsweise Kritiker Rudolf Knoll mit der Pro-Riesling-Jury am Traubenplatz. Dass mit der hochmodernen Technik nicht nur Weine beurteilt werden können, sondern auch die sensorische Qualität der Tester ablesbar ist, dürfte nicht jedem Nutzer recht sein.

Sensorische Bewertung

Sensorik ist die Charakterisierung und Bewertung von Wein mit Hilfe menschlicher Sinne. Sie bedient sich der Optik zur Charakterisierung der Farbe, dem Geruchsinn zur Beschreibung der flüchtigen Aromen und dem Geschmack, um über die Weinstruktur zu urteilen sowie den Eindruck von sensorischen Eigenschaften wie etwa Süße oder Säure zu erfassen.

Quelle: Heilbronner Stimme vom 9. März 2010 von Kilian Krauth
Foto Quelle: Wikipedia, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau.

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