Als Weichenstellung und Bekenntnis zum Standort Deutschland bezeichnet Peter Mosch, Vorsitzender des Audi-Gesamtbetriebsrats, das, was bei der Audi AG im Zeitraum von 2009 bis 2012 umgesetzt wird.
So plant das Unternehmen in diesem Zeitraum rund 3,8 Milliarden Euro in die Standorte Ingolstadt (2,5 Milliarden) und Neckarsulm (1,3 Milliarden) zu investieren. Allein 110 Millionen Euro ließ es sich das Unternehmen kosten, Europas modernstes Presswerk in Neckarsulm zu errichten. ”Audi investiert ohne Abstriche in neue Modelle und die Zukunftsfähigkeit der Marke. Das hocheffiziente neue Presswerk ist ein wichtiger Baustein unserer Unternehmensstrategie und trägt dazu bei, unsere Produktivität noch weiter zu steigern“, betonte Frank Dreves, Vorstand Produktion Audi AG, bei der Einweihung des neuen Presswerks im Oktober vergangenen Jahres. Und der Neckarsulmer Werkleiter Albrecht Reimold ergänzt: ”Der Standort Neckarsulm profitiert von seinem vielseitigen Know-how, das wir hier kontinuierlich aufgebaut haben. Das modernisierte Presswerk ist eine weitere Investition in den Wissens- und Technologievorsprung unseres Unternehmens im internationalen Wettbewerb.“
Rund 350 verschiedene Karosserieteile produzieren die Anlagen in Neckarsulm. Über die aktuelle Modellpalette hinaus kommen künftig auch Pressteile unter anderem für den Audi A1, der jetzt an den Start gehen wird, vom Standort Neckarsulm. Ansonsten stehen in Neckarsulm die Modelle A6, A7, A8 sowie neue Funktionsprüfstände für Motoren im Fokus der Investitionen.
Umgestaltung und Modernisierung
In Crailsheim treibt der Maschinenbauer Voith Turbo seine Werksentwicklung voran. So wird das Unternehmen insgesamt etwa 40 Millionen Euro investiert haben, wenn der Standort in Crailsheim komplett modernisiert ist. Voith Turbo hat es sich dabei zum Ziel gesetzt, als Maschinenbauunternehmen Prinzipien aus anderen Branchen nutzbar zu machen. Der Produktionsstandort soll so umgestaltet werden, dass reibungslose Prozesse, hohe Produktionskapazität und eine erstklassige Logistik möglich werden. Damit will das Unternehmen einen neuen Standard in der Maschinenbaubranche aufstellen – ähnlich wie dem in der Automobilindustrie. Dies schließt alle Firmenbereiche ein, von Vertrieb und Engineering über Beschaffung und Logistik bis hin zu Fertigung und Montage.
Voith Turbo zählt heute in seiner Branche zur Spitzengruppe. ”Und das soll auch in zehn Jahren in einem noch anspruchsvolleren Umfeld so sein“, sagt Dr. Jürgen Zeschky, Geschäftsführer Voith Turbo Marktbereich Industrie. Im Dezember 2009 wurden eine neue Großteileförderung und ein neues Logistikzentrum in Betrieb genommen. So sollen Transportwege verkürzt, Lagerengpässe minimiert und die Durchlaufzeiten um 20 Prozent gesenkt werden. ”Unsere Kunden sollen die Resultate des Werksentwicklungsplans spüren: nämlich kurze und verlässliche Lieferzeiten, gerade auch in Zeiten hoher Auslastung“, so Zeschky. Doch die Umgestaltung bringt nicht nur für die Kunden Vorteile. Auch die Mitarbeiter werden Verbesserungen spüren. Zur Werksentwicklung gehört eine motivierende Arbeitsatmosphäre, hohe Arbeitssicherheit und eine standardisierte Arbeitsplatzgestaltung. So soll die Werksentwicklung die Wettbewerbsfähigkeit sichern – und damit auch die Beschäftigung am Standort Crailsheim.
Neues Gebäude
250 Tonnen Stahl, 6 500 Quadratmeter Schalflächen und 2 500 Kubikmeter Beton wurden eingesetzt, bis der Erweiterungsbau des Verwaltungsgebäude des Satteldorfer Bauunternehmens Leonhard Weiss im September 2009 eingeweiht werden konnte. Fünf Millionen Euro investierte das 2 800 Mitarbeiter zählende Unternehmen in den Bau. Zu der Nutzfläche von über 3 500 Quadratmetern gehören neben 62 Räumen auch ein offener Innenhof, der als Kommunikationszone für die Mitarbeiter dienen soll.
Auch das bestehende Foyer erfuhr eine Erweiterung und Aufwertung. Hier wurden neue Begegnungsbereiche für Kunden und Mitarbeiter geschaffen. Der dreigeschossige Bürokomplex wurde an den Bestand angebunden und mit einem fließenden Übergang in den erweiterten Foyerbereich integriert. Ein klares Bekenntnis zum Standort, wie es der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans M. Schabert formulierte: ”Von diesem Erweiterungsbau werden weitere positive Signale für den Standort Satteldorf ausgehen.“
Entscheidung für Standort
Bereits Ende 2008 war es ebmpapst, die mit der Fertigstellung eines Montagewerkes in Mulfingen- Hollenbach die Produktionskapazitäten für energiesparende Ventilatoren um 13 500 m2 erweitert hat. Insgesamt 20 Millionen Euro investierte ebm-papst in den neuen Produktionsstandort Mulfingen-Hollenbach in Gebäude und modernste Produktionsanlagen. ”Wir haben uns ganz bewusst für den Standort Deutschland entschieden, weil wir davon überzeugt sind, dass dieser Standort auch langfristig Zukunft hat“, erklärt Hans-Jochen Beilke, Vorsitzender der Geschäftsführung der ebm-papst Gruppe. Für Hollenbach hat gesprochen, dass die neue Fabrik nur gut vier Kilometer von der Unternehmenszentrale in Mulfingen entfernt ist und dort langfristige Erweiterungsmöglichkeiten bestehen. So hat das Unternehmen in seinem Werksneubau in Mulfingen- Hollenbach eine Lösung realisiert, die den gesamten Wärmebedarf der Werksgebäude über vorhandene Wärmelasten deckt. Die Beheizung erfolgt vollständig durch Nutzung der Abwärme aus der Produktion. So konnte ebm-papst die Energiekosten des Werkes für Heizung, Lüftung und Kühlung um 91 Prozent und damit um 87000 Euro pro Jahr senken.
Auch auf andere produzierende Unternehmen mit großen inneren Wärmelasten in den Werkshallen lässt sich das Projekt sehr gut übertragen. Ein Engagement, das sich lohnt. So wurde das Unternehmen mit dem ”Energy Efficiency Award“ im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz von der Deutschen Energie- Agentur GmbH (dena) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Messe ausgezeichnet. Doch damit nicht genug. Hauke Hannig, Pressesprecher ebm-papst Unternehmensgruppe: ”Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten investieren wir weiterhin pro Geschäftsjahr über 54 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung.“
Großprojekt
Im Dezember vergangenen Jahres erfolgte in Sulzbach-Laufen der Spatenstich für ein weiteres Millionenprojekt in der Region Heilbronn- Franken. Unter dem Motto ”Pharma 2020“ startet Holopack, ein Tochterunternehmen der Hansen Gruppe durch. Und was die Kunststoff- und Verpackungsfirma im Kochertal in den nächsten zwei Jahrzehnten dort schultern will, kann sich wahrlich sehen lassen. Holopack-Chef Bernd Hansen: ”Wir wollen in Sulzbach-Laufen wachsen und neue Arbeitsplätze schaffen.“ Nach und nach sollen die alten Fabrikgebäude im Rahmen eines Gesamtkonzeptes durch neue Produktionsanlagen ersetzt werden. So sollen zukünftig bis zu 200 neue Stellen entstehen und bereits in diesem Jahr in einer neuen Halle produziert werden.
Kapazität erhöht
Die Weichen auf Zukunft gestellt hat auch Kaco new energy und eine neue Firmenzentrale bezogen. Mit dem energieeffizienten Neubau erhöht das Neckarsulmer Unternehmen die Kapazität seiner CO2-neutralen Produktion auf 1,1 Gigawatt und senkt gleichzeitig den spezifischen Primärenergiebedarf für das gesamte Unternehmen. Neue Photovoltaikanlagen erhöhen außerdem die installierte Leistung der firmeneigenen Solaranlagen auf rund 600 Kilowatt. Somit erzeugt Kaco in den Sommermonaten mehr Strom, als in allen Werken verbraucht wird. Mit der neuen Firmenzentrale, die künftig als Werk 1 rangiert, reagierte Kaco auf die zunehmende Nachfrage. Neben Produktionsstätten, die die Kapazität nahezu verdoppeln, sind in zwei Bürobereichen auf rund 2 400 Quadratmetern Geschäftsleitung, Vertrieb, Marketing, Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie das Produktmanagement untergebracht. Etwa gleich viel Fläche nehmen Produktion und Logistik ein. In der neuen Anlage werden künftig alle Zentralwechselrichter hergestellt, außerdem Stromversorgungen für Schienenfahrzeuge und die Industrie. Gesamtinvestitionsvolumen: zehn Millionen Euro und der nächste Erweiterungsbau ist bereits geplant.
Standorterweiterung
Sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Abstatt will Bosch von 30 auf 45 Hektar erweitern. Die erforderlichen Grundstücke hat Bosch inzwischen erworben. Neben der Bosch Engineering GmbH sind in Abstatt auch die Bosch-Geschäftsbereiche Chassis Systems Brakes und Chassis Systems Control beheimatet. Von Entwicklung und Applikation über Verkauf und Controlling bis hin zur Geschäftsleitung vereint das Bosch Entwicklungszentrum alle Aufgaben an einem Ort. Insgesamt arbeiten in Abstatt rund 2 900 Mitarbeiter. Etwa 1000 Mitarbeiter davon gehören zur Bosch Engineering und realisieren komplexe Entwicklungsaufgaben für internationale Fahrzeug- und Motorenhersteller. Bereits im ersten Quartal 2010 ist die Fertigstellung des sich derzeit im Bau befindlichen neuen, 43 000 Quadratmeter großen Gebäudes geplant. Investitionsvolumen: 60 Mio. Euro.
Neue Niederlassung
Im Bad Mergentheimer Gewerbegebiet Ried erfolgte im Dezember letzten Jahres ein weiterer Spatenstich. Dort entsteht eine neue Verkaufsniederlassung der Adolf Würth GmbH & Co. KG. Handwerker und Gewerbetreibende können zukünftig in der Würth Verkaufsniederlassung ihren Sofortbedarf in unmittelbarer Nähe decken und dabei aus einer Vielfalt von über 5 000 Produkten auswählen. Auch in dem wirtschaftlich nicht einfachen Jahr 2009 eröffnete das Unternehmen 15 neue Standorte. ”Gerade in der Krise haben sich unsere Verkaufsniederlassungen als ein stark stabilisierender Faktor erwiesen“, erklärte Ute Roth von der Niederlassungsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG beim Spatenstich. ”Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten investieren wir in den Vertrieb – er ist unsere Königsdisziplin.“ Und so plant das Unternehmen auch für 2010 das Verkaufsniederlassungsnetz weiter auszubauen.
Bekenntnis zum Standort
Ein neues Verwaltungsgebäude hat die Bechtle AG in Gaildorf bezogen. Mit rund 2 000 m2 Bürofläche bietet der Neubau Raum für 100 Arbeitsplätze und hat das alte, zu klein gewordene Verwaltungsgebäude nach elf Jahren abgelöst. Schon beim Spatenstich im März 2009 bezeichnete Vorstandssprecher Dr. Thomas Olemotz den Entschluss als ”bewusstes Bekenntnis zu Gaildorf“. Olemotz weiter: ”Das neue Verwaltungsgebäude wird nicht nur genug Raum für kommende Erweiterungen bieten, es steht auch symbolhaft für die Zukunftsfähigkeit und langfristige Entwicklung der Bechtle AG.“
Nur einige Beispiele
Die Liste der Unternehmen, die trotz Wirtschafts- und Finanzkrise in der Region investieren, ließe sich ohne weiteres fortführen. So stellen die hier angeführten Unternehmen nur einige Beispiele dafür dar, wie sich Unternehmen klar zum Standort bekennen. Es gibt sie also allen Unkenrufen zum Trotz noch: die Investoren, die mit Weitsicht und Optimismus dazu beitragen, dass die Region Heilbronn-Franken zu den wachstumsstärksten in Deutschland zählt.
Quelle: w.news der IHK Heilbronn-Franken Ausgabe Nr.2 Februar 2010 von Matthias Marquart
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