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Die experimenta ist derzeit das größte im Aufbau befindliche Science Center seiner Art im süddeutschen Raum. Im 4. Quartal 2009 öffnet es seine Pforten. Unter dem Motto "entdecken erleben erkennen" soll es dann Kinder, Jugendliche und Familien, aber auch den erwachsenen Besucher für naturwissenschaftliche und technische Themen begeistern.
Auf 7.500 qm bieten Themenwelten, "Talentschmieden", Sonderausstellungen und ein Schülerforschungszentrum die Möglichkeit, durch eigenes Experimentieren Naturwissenschaft und Technik neu zu entdecken und besser zu verstehen.
Die Themenwelten umfassen etwa 150 interaktive Exponate und sind in vier Bereiche unterteilt: Energie & Umwelt (E-Werk) - Technik & Innovation (Werkstatt) - Mensch & Kommunikation (Netzwerk) - Mensch & Freizeit (Spielwerk).
In den "Talentschmieden" von der "Auto-" und "Roboschmiede" bis zur "Film-" und "Texterschmiede" hat der Besucher dann die Gelegenheit, seine Interessen durch ausgiebiges, praktisches Tun zu vertiefen.
Im "Schüler-Forschungs-Zentrum" eröffnen unter pädagogischer Anleitung fünf für die jeweilige Zielgruppe ausgestattete Labore und Ateliers spezielle Möglichkeiten des Experimentierens. Hier kommt jeder auf seine Kosten, vom Vorschulkind bis zum "Jugend forscht"–Teilnehmer.
Zusätzlich bietet die experimenta ihren Gästen und der Öffentlichkeit einen "Talentgarten" mit 10 spannenden Großexponaten zum Mitmachen im Freien.
Jährlich werden über 100.000 Besucher erwartet.
Public-Private-Partnership-Projekt
Ein zielorientiertes Public-Private-Partnership-Projekt macht es möglich, dass rund 27 Mio. Euro für die Realisierung zur Verfügung stehen. Geld, das weitere Investitionen nach sich zieht.
Bis Ende dieses Jahres soll in der Kranenstraße zwischen Altneckar und Wilhelmskanal eine Lern- und Erlebniswelt ihre Tore öffnen, "die deutschlandweit in der ersten Reihe solcher Einrichtungen steht", wie Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach betont. Die Experimenta – Science Center der Region Heilbronn-Franken, so der offizielle Name, wird auf 7.500 qm Besucher aller Altersstufen mit interaktiven Exponaten zum Experimentieren und selbstständigen Lernen anregen. Damit soll die Experimenta einen "wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen der Region Heilbronn-Franken im 21. Jahrhundert" leisten. Dafür werden rund 150 Experimentierstationen, fünf Labore, Sonderausstellungen und ein Schülerforschungszentrum entstehen, die in verschiedene Themenwelten aus den Bereichen Naturwissenschaft und Technik unterteilt sind.
Happy-End für hochfliegende Pläne
Im September 2005 beauftragte Oberbürgermeister Himmelsbach die Phänomenta in Flensburg mit einer Machbarkeitsstudie für eine Lern- und Erlebniswelt im Heilbronner Hagenbucher, einem alten Speichergebäude am Neckar aus den 1930er Jahren, das als einziges Gebäude von der ehemaligen Ölfabrik Hagenbucher übrig geblieben war. Vorausgegangen waren jahrzehntelange kommunalpolitische Diskussionen über die zukünftige Verwendung des dominanten Backsteinbaus, eines der letzten historischen Industriegebäude in Heilbronn.
Zahlreiche Sponsorengespräche und Kostenschätzungen folgten. Zunächst wurden eine Ausstellungsfläche von 3.000 qm und zusätzlich 1.700 qm für Servicefunktionen geplant mit einem Aufwand von 12 Mio. Euro. Doch das war zu kurz gesprungen, da für das Science Center auch das Naturhistorische Museum in der Kramstraße aufgelöst und in die neuen interaktiven Experimentierstationen integriert werden soll. Zwischenzeitlich war von nahezu 30 Mio. Euro für die Experimenta die Rede.
Aus dem europaweit ausgelobten Architektenwettbewerb ging im März 2007 unter 31 zugelassenen Arbeiten das Berliner Büro studioinges einstimmig als Sieger hervor. Seine Idee: An die Nordseite des Hagenbucher-Baus fügt sich ein klar geschnittener Neubau in verwandter Materialität an, der in die Blickachse zur Innenstadt gerückt wird. Der erste Spatenstich erfolgte Anfang Mai 2008.
Mittlerweile wurde der einstige Kornspeicher bis auf seine Stahlbetonstützen entkernt. Die 22 Säulen sollen in das Experimenta-Konzept integriert werden. Backstein wird optisch auch zukünftig die dominante Rolle spielen. Dazu gehört, die Innenwände als Backsteinwand erkennbar zu lassen. Nach der Idee der Architekten Stefan Schwirtz, Francesca Saetti und Thomas Bochmann von studioinges wird auch der ergänzende Neubau eine Fassade aus Kohlebrandklinkern wie der Altbau erhalten. Eine 1,80 m breite, architektonisch geplante verglaste Fuge wird den Alt- mit dem Neubau verbinden. Diese Fuge soll lichttechnisch kontrapunktisch zur Klinkerhaut in Erscheinung treten und damit zur Eigenart des Gebäudes beitragen.
Richtung Altneckar werden alle Fenster den Blick nach draußen und damit weit über die Inselspitze hinaus freigeben. Um den Charakter des ehemaligen Industriegebäudes zu wahren, wird das bislang verwendete strukturierte Fensterglas an den anderen Fenstern bis auf den Gastronomiebereich erhalten bleiben. Wenn in der ersten Jahreshälfte die Bauarbeiter die Baustelle verlassen und die geschossweise Umsetzung der Lern- und Erlebniskonzepte erfolgt, werden knapp 16 Mio. Euro verbaut sein. Bisher liegen die Baumaßnahmen im Zeitplan. Als verantwortliche Projektentwickler für die Ausstellung unterstützt die Bremer Firma Petri & Thiemann die Experimenta, begleitet von der Bremer Gruppe für Gestaltung.
Betreiber der Experimenta ist eine im März 2007 gegründete Gesellschaft, die aus der Stadt Heilbronn, der Dieter-Schwarz-Stiftung, der IHK Heilbronn-Franken, der Hochschule Heilbronn und der Akademie für Information und Management besteht. Geschäftsführer ist Wolfgang Hansch, ehemaliger Leiter des Naturhistorischen Museums. Seit August 2008 steht ihm Andreas Kaiser als kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite.
PPP-Modell bringt weitere Investitionen ins Rollen
Das auf rund 27 Mio. Euro angewachsene Projekt findet im Gemeinderat nach wie vor große Unterstützung. Denn es wird als Erfolgsmodell für Public Private Partnership gesehen. Die Finanzierung teilt man sich mit der Dieter-Schwarz-Stiftung, die ca. 13 Mio. Euro an einmaligen Kosten für die Ausstattung und das Ausstellungskonzept übernimmt. Dazu sichert die Stiftung die Übernahme der zukünftigen Betriebskosten, die Werbekampagne, ein Lichtkonzept und die Außenanlage. Die restlichen 15 Mio. Euro muss die Stadt Heilbronn jedoch nicht alleine schultern.
Dank eines Landeszuschusses von 3 Mio. Euro, weiterer rund 3,7 Mio. Euro Sponsorengelder (von EnBW, Gasversorgung Süddeutschland und Adolf Würth) sowie des erwarteten Vorsteuerabzugs von 2,1 Mio. Euro reduziert sich der städtische Anteil auf knapp 7 Mio. Euro. Eine zukunftsträchtige Investition mit Blick auf die Bundesgartenschau 2019, an deren Eingang die Experimenta liegt.
Bis 2011 sollen nahe der Experimenta zwölf weitere Bauprojekte realisiert werden. Sie wird damit zum Motor für die Stadtentwicklung. Profitieren wird vor allem der Freizeitwert am Alten Neckar und am Wilhelmskanal. Denn diesen März soll mit der Gestaltung der Freizeitanlagen rund um die Experimenta begonnen werden. Ein so genannter Talentgarten mit Bezügen auf das Innere der Technik- und Erlebniswelt soll auch ohne Eintrittskarte neugierig machen. Die Kosten teilen sich die Stadt und die Experimenta GmbH, wobei die Stadt rund 690.000 Euro übernimmt.
Für fast 6 Mio. Euro wird neben der Experimenta durch die Stadtwerke Heilbronn ein Parkhaus mit 495 Stellplätzen erstellt, das noch im September fertig werden soll. Nördlich davon entsteht ein Busparkplatz für Besucher der Experimenta. Das Gelände in der Bahnhofstraße hat die Stadt bereits im Februar 2007 als Schlüsselgrundstück für die städtebauliche Neuordnung der Innenstadt erworben. Für den direkten Zugang zum Science Center wird bis Juni eine drei Meter breite Fußgängerbrücke über den Wilhelmskanal für rund 1,1 Mio. Euro errichtet. Für die weitere Aufwertung der Umgebung soll die Fortführung der Uferpromenade für 680.000 Euro sorgen.
Rechtzeitig zur Eröffnung der Experimenta im Herbst wird auch die Untere Neckarstraße bis zur Lohtorstraße zur Fußgängerzone mit Gastronomiemeile, die in einem zweiten Bauabschnitt bis zur Gerberstraße reichen soll; Investition rund 1,9 Mio. Euro. Hinzu kommen 1,1 Mio. Euro, um im Bereich der Unteren Neckarstraße ein Holzdeck als Insel im Fluss zu verankern, das bei Veranstaltungen als Bühne genutzt werden kann.
Und schließlich soll das nahe Stadtbad Soleo mehr Bade- und Saunaspaß bieten. Dazu gehören unter anderem ein ganzjährig beheiztes Sole-Außenbecken und eine neue Sauna mit Panoramablick auf den Alten Neckar. Ziel ist, das Soleo auch für Besucher von außerhalb zur gefragten Wellness-Adresse zu machen. Die Stadtwerke investieren für die Modernisierung insgesamt rund 6,3 Mio. Euro. Nicht umsonst versprach Oberbürgermeister Himmelsbach beim Spatenstich der Experimenta: "Wir dürfen uns schon jetzt auf großartige Entdeckungen, Erlebnisse und Erkenntnisse freuen." (dl)
Quelle Immobilienzeitung vom 8. Januar 2009
http://www.immobilien-zeitung.de
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