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Deutscher Rotweinpreis 2006: Drautz-Able und Staatsweingut punkten

     
 
 

17.11.06

 

Der Deutsche Rotweinpreis 2006 ist entschieden. Drautz-Able und Staatsweingut Weinsberg punkteten im Bereich „klassisch unterschätzte Sorten“ mit einem Samtrot und bei „Klassischem aus der Burgunder-Familie“ mit einem Clevner.

Das Pfälzer Weingut Knipser sorgte auch in diesem Jahr mit zwei Ausnahme-Gewächsen für Aufsehen. In den anderen Kategorien gab es neben bekannten Winzern auch Neuentdeckungen auf den Siegerplätzen von Deutschlands grösstem Rotweinwettbewerb.

Rotes Gipfeltreffen in der Pfalz. Neun Erzeuger und eine Winzersgattin aus acht Betrieben begannen im Hof der Familie Knipser in Laumersheim sofort mit dem gegenseitigen Gratulieren für den jeweiligen Spitzenplatz beim 20. Wettbewerb um den Deutschen Rotweinpreis. Für einen war es schon fast Routine. Werner Knipser kann sich noch gut an seinen ersten Sieg 1987 erinnern, als er ebenfalls mit Spätburgunder ganz vorne lag. Den Erfolg in dieser Kategorie sowie in anderen Gruppen sollte er in den folgenden Jahren noch häufig wiederholen. «Keiner kannte damals Laumersheim. Aber wir glaubten fest an das Potenzial in unseren Fluren dort.»

Heute tragen die Flächen regelmässig die Sieger des Deutschen Rotweinpreises. Der Spätburgunder aus dem Kirschgarten war zuvor schon auf einer Verkostung in Wien positiv aufgefallen. Er stammt von Reben des als nicht sonderlich wertvoll angesehenen Klons Mariafeld, der grosse, lockerbeerige Trauben liefert. «Aber 2003 waren sie klein und kompakt», berichtete Volker Knipser, der mit seinem Bruder Werner und dessen Sohn Stephan für den Erfolg des Gutes bürgt.

Der Sieg in der Spätburgunder-Königsklasse war auch nicht ihr einziger Triumph in diesem Jahr. In der Gruppe der «Klassischen internationalen Sorten» wurden etliche Konkurrenten mit einem grandiosen Cabernet Sauvignon «weggeknipsert» – bis auf einen. Der Merlot von Hartmut Bender vom Weingut Landhaus Kronenberg bekam auch im Stechen die gleiche Note. Ergo wurden hier zwei erste Plätze vergeben. Bender, der bereits in den Vorjahren mit überaschend guten Weinen auffiel, ist ein Merlot-Profi. «Ich habe vor 15 Jahren mit einer Versuchsanlage begonnen. 2003 hatte ich das bisher beste Ergebnis, 112 Öchsle bei einem Ertrag von nur 30 Litern auf dem Ar.»

Kalifornischer Einfluss
Der 52-Jährige wagte sich an eine dreiwöchige Maischegärung in offenen Barriques. Hinterher lag der fertige Wein noch 20 Monate im neuen Holz. Bender war einer der Ersten, die sich in Deutschland mit den kleinen Fässern beschäftigten. «Nach einem Kalifornien-Praktikum Anfang der 80er Jahre habe ich begonnen.» Die Erfahrung ist heute in den Weinen spürbar.

Pfälzer Zungenschlag war noch bei einem anderen Winzer vernehmbar. Thomas Simon vom Weingut Kassner-Simon in Freinsheim freute sich über den ersten Rang in der stark besetzten Cuvée-Kategorie. Der gelernte Weinbautechniker, der unter anderem bei Wehrheim in Birkweiler sowie bei Müller-Catoir und Hans-Günter Schwarz lernte, arbeitet seit 1998 mit Vater Willi Heinrich Simon (53) zusammen. «Mein Fach ist hauptsächlich der Keller», berichtete der 30-Jährige. Seine Cuvée setzt sich überwiegend aus den Sorten Merlot (60 Prozent) und Cabernet Dorsa zusammen. Die Grundweine wurden zunächst getrennt in grossen Holzfässern ausgebaut, dann aber zusammengelegt und weiter in Barriques (die Hälfte neu) vinifiziert.

Besonders fröhlich war die Begrüssung zwischen Jungwinzer Stephan Knipser und Dr. Günter Bäder, dem Chef des Staatsweingutes und der Weinbauschule Weinsberg. Von 1999 bis 2001 hatte
Stephan Knipser die Schulbank im Schwäbischen gedrückt. Jetzt befand er sich sozusagen auf Augenhöhe mit dem einstigen Dozenten, dessen Haus den Sieger in der Gruppe «Klassisches aus der Burgunder-Familie» stellte, einen Clevner, wie der Frühburgunder in Württemberg heisst.

Jürgen Ellwanger aus Winterbach, ebenfalls ein eifriger Urkundensammler beim Rotweinpreis, hielt diesmal als Einziger die Fahne des Remstals hoch. Und das mit zwei Weinen: Lemberger und Zweigelt in der Kategorie Neuzüchtungen. Der Zweigelt-Sieg war Lohn für 26-jährige Beschäftigung mit dieser österreichischen Kreuzung von St. Laurent mit Blaufränkisch. «Die Stöcke habe ich aus dem Mittelburgenland, aus Deutschkreutz», erinnert sich Ellwanger. «Ich suchte damals eine Alternative zum Trollinger.» Der Lemberger lag fast drei Jahre im Holz. «Das gab ihm die Weichheit, das baute die ursprünglich harten Gerbstoffe ab.»

Württemberger Stars

Direkt aus Geisenheim kam Markus Drautz nach Laumersheim. Der neue, junge Chef im Weingut Drautz-Able in Heilbronn befindet sich in der Endphase des Studiums, wurde aber vom Vater bereits in die Verantwortung genommen. Denn Richard Drautz, der den 2003er Samtrot (Kategorie «Klassische unterschätzte Sorten») noch ausbaute, avancierte vor einigen Monaten zum Staatssekretär im baden-württembergischen Weinbauministerium und musste deshalb die Betriebsführung abgeben. Der Sohn meint zwar, er hätte sich gern noch etwas Zeit gelassen. Aber der 25-Jährige wurde nicht ins kalte Wasser geworfen. Seit einigen Jahren stellt er Versuche an. Den ersten Rotwein baute er 2004 aus.


Den ersten Platz teilt er sich mit Michael Beck vom Hedesheimer Hof aus Stadecken-Elsheim, dem einzigen Rheinhessen auf dem Siegerpodest des Deutschen Rotweinpreises 2006. Er konnte demonstrieren, welche Möglichkeiten in der Portugieser-Rebe stecken. Immerhin hat das Weingut fast 20 Prozent Portugieser auf seinen 27 Hektar. «Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Sorte wieder salonfähig wird», erklärt Beck. Acht Wochen war der 2003er Oporto mit der Maische in Kontakt, ein Jahr reift er in der Barrique ohne Schwefel und wurde ohne Filtration gefüllt.
Die beste edelsüsse Spezialität kam aus dem Weingut Stigler in Ihringen. Der Betrieb ist seit vielen Jahren bekannt für seinen exzellenten Weissherbst und Sekt vom Spätburgunder. 2001 reichte es auch für eine Trockenbeerenauslese aus der Toplage Winklerberg. Es gab nur eine geringe Menge, so dass Regina Stigler verkündete: «Die Restflaschen sind für VINUM reserviert.»

Deutscher Rotweinpreis 2006 - Die 10 besten deutschen Rotweine

Spätburgunder

2003 Auslese Laumersheimer Kirschgarten Grosses Gewächs
Weingut Knipser, Laumersheim (Pfalz)

Cuvees

2004 Qualitätswein Edition
Weingut Kassner-Simon, Freinsheim (Pfalz)

Klassische unterschätzte Sorten

2003 Portugieser Qualitätswein Oporto
Hedesheimer Hof, Stadecken-Elsheim (Rheinhessen)

2003 Samtrot Qualitätswein
Weingut Drautz-Able, Heilbronn (Württemberg)

Klassisches aus der Burgunder-Familie

2003 Clevner Qualitätswein
Staatsweingut Weinsberg (Württemberg)

Klassische internationale Sorten

2003 Cabernet Sauvignon Qualitätswein
Weingut Knipser, Laumersheim (Pfalz)

2003 Merlot Qualitätswein ***
Landhaus Kronenberg – Familie Bender, Kallstadt (Pfalz)

Lemberger

2003 Lemberger Qualitätswein
Weingut Jürgen Ellwanger, Winterbach (Württemberg)

Neuzüchtungen

2003 Zweigelt Qualitätswein Alte Reben
Weingut Jürgen Ellwanger, Winterbach (Württemberg)

Edelsüß

2001 Spätburgunder Weissherbst Trockenbeerenauslese Ihringer Winklerberg
Weingut Stigler, Ihringen (Baden)

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Wein in der Region Heilbronn-Franken

 
         
         
 

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Baden-Württemberg
   
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Wolfgang Clement, ehem. Bundeswirtschaftsminister
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